November 2014: Die Renovierung des St.-Michaels-Fensters | Abschluss der Außenrenovierung

Mit der Renovierung des St.-Michaelsfensters an der Südseite der Kirche sowie des ornamentalen Fensters über dem vorderen Sakristeieingang wird die 1984 begonnene Sanierung der Außenhaut unserer Kirche nach 30 Jahren vorerst abgeschlossen sein. Wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreffen, werden wir so unser Gotteshaus für die nächsten 50 Jahre gesichert und für kommende Generation erhalten haben. Der zentrale Bereich des Michaelsfensters wurde vom Anrather Künstler und Professor an den Kölner Werkschulen Wilhem Teuwen entworfen und 1957 von der Kevelaerer Glasmaler-Firma Derix ausgeführt. Neben den drei weiteren Fenstern des Anrather Künstlers (Brigida, Heribert und Paulus-Fenster) erinnern uns diese Fenster auch an die Zerstö-rungen des Zweiten Weltkriegs hier in Anrath: Die Druckwellen der Bombendetonationen 1943 zerstörten fast alle der so genann-ten ornamentalen Teppichfenster, die sich an der Westseite sowie in den beiden Seitenschiffen der Kirche befanden. Aus unzer-störten Resten derselben wurden die vier Fenster erstellt, zu denen Wilhelm Teuwen moderne Mittelteile entwarf. Einen kleinen Eindruck des Vorkriegszustandes vermitteln die Evangelistenfenster im Querschiff der Kirche. Die Jahrestafeln im Michaelsfenster weisen auf die beiden Weltkriege, den Aufstand in Ost-Berlin am 17. Juni 1953 sowie den Ungarnaufstand 1956 hin. Die Schäden am Fenster sind teilweise mit bloßem Auge gut zu erkennen: Große Risse durchziehen besonders das Bild des Erzengels. Aber auch in den kleinen Scheiben des Teppichmusters sind zahlreiche Schäden erkennbar. Dazu kommt, dass das Fenster an der Süd-seite der Kirche dem Schlagregen und dem Wetter ausgesetzt ist, so dass die vorhandenen Schäden dadurch noch verstärkt wer-den. Das Fenster über dem vorderen Eingang zur Sakristei wurde bereits 1977 instand gesetzt. Damals gab es noch nicht die tech-nischen Möglichkeiten, über die wir heute in der Denkmalpflege verfügen. Wurden 1977 noch historische Fensterscheiben viel fach wie z.B. im Altenberger Dom in Kunststoff eingeschweißt, wissen wir heute, dass diese Technik nicht zielführend war. Nur die Aufhängung in Messingrahmen, die von innen vor die Schutzverglasung positioniert werden, garantiert einen Erhalt der Fenster, vor Witterungseinflüssen geschützt. So können Fehlstellen ergänzt oder rekonstruiert, die historische Verglasung geschützt und für die Nachwelt erhalten werden. Dazu kommt noch die Dämmwirkung einer doppelten Verglasung. Bei der Renovierung werden jedoch nicht nur die Fenster renoviert, das stünde in keinem Verhältnis zum finanziellen Aufwand für die Gerüste, die den größten Einzelposten ausmachen. Neben den Glaserarbeiten werden die Naturstein-Maßwerke der Fenster überarbeitet. Dort, wo die Sub-stanz noch Weitestgehend erhalten ist, werden Fehlstellen durch sogenannte Vierungen ausgebessert. Wenn der gesamte Stein verwittert ist, liefert der Steinmetz Ersatzmaterial. Alles mit dem Ziel, zwischen Kosten und Nutzen eine tragfähige Lösung zu finden.


Man kennt es ja aus seinen eigenen vier Wänden: Wenn man einen Altbau saniert, ist man nie vor Überraschungen sicher. Das gilt auch für unsere Pfarrkirche, denn diese ‚Dame‘ geht auf die 120 zu! Die Witterungseinflüsse haben den Sandstein besonders an der Wetterseite stark geschädigt und nicht alle Schäden konnten zuvor von unten im Detail erkannt werden. Dazu kommen auch nach 70 Jahren die Erschütterungen der Bombendetonationen des Zweiten Weltkrieges sowie die Folgen des Jahrzehntelangen Fahrzeugverkehrs rund um unsere Pfarrkirche. Die Fugen des Sandsteins sind ausgewaschen, die rostenden Windeisen, die die Fenster eigentlich stabilisieren sollen, haben Teile des Sandsteins gesprengt. Sind erst einmal die Fugen und Verbindungen zwi-schen den einzelnen Sandsteinelementen locker, drückt das Gewicht des Steins auf die Glasscheiben und lassen diese springen. Während in der Vergangenheit oft das gesamte Maßwerk ausgetauscht wurde, können heute dank neuer Klebetechnik kleinere Fehlstellen ausgemeißelt und ergänzt werden. Diese so geannten Vierungen sind dann als kleine helle Stellen zu erkennen. Sind größere Bereiche geschädigt, wird der gesamte Stein in alter Machart neu angefertigt. Wer den Unterschied zwischen alten und neuen Steinen gerne sehen will, ist eingeladen, das blaue Fenster über dem nördlichen Westeingang zur Kreuzwegkapelle von au-ßen zu betrachten. Hier heben sich im oberen Bereich des Fensters die dunklen alten Steine deutlich von den hellen neu gefertigten Maßwerksteinen ab. Insgesamt können wir durch die Arbeiten des Steinmetzes die Natursteinelemente der Fenster soweit wie möglich erhalten. Das trägt dazu bei, die historische Substanz zu erhalten und Kosten zu sparen.


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